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Die Hirschtränken und der Wolfssee im Wildpark PDF Drucken E-Mail

Seit 1842, der Umzäunung und Errichtung des königlichen Wildparkes, verringerten sich die Wildschäden in Geltow, Gallin und Golm schlagartig. Im waidmännisch bewirtschafteten 870 ha großen Wildpark entwickelte sich ein großer Rot- und Damwildbestand, der Mitte des 19. Jahrhunderts rd. 500 - 600 Tiere umfasste. Für die Hege und Pflege des großen Wildbestandes waren der königliche Wildmeister, 3 Förster an den Torhäusern, mehrere Fütterer und einige Jäger zuständig. Der Futtermeisterei (nicht mehr erhalten) standen mehrere gefüllte Hafer- und Heuscheunen zur Verfügung. Zur Wildfütterung gehörte auch die Versorgung des Wildes mit frischem Tränkwasser.

Im östlichen Wildpark standen auf den Futterplätzen Pumpenbrunnen mit Trögen. Im westlichen Wildpark gab es genügend natürliche Oberflächengewässer (Pfuhle), die man als Hirschtränken bezeichnete. Überregional bekannt war der Große Entenfängersee, dessen Entenfanganlage über Jahrzehnte die Hofküche des Neuen Palais mit Wildenten belieferte. Damals hatte der idyllische Entenfängersee eine Größe von 15,5 Hektar. Östlich des Bayrischen Hauses nannte man den länglichen Pfuhl große Hirschtränke. Am östlichen Rand des Wolfsbruches befand sich der sagenumwobene Priesterpfuhl, den man auch als Wolfssee bezeichnete; er diente auch als Hirschtränke. In der Literatur beschreibt August Kopisch (1854) den Standort des Wolfssees.

Der Name des Waldgewässers leitet sich von dem anliegenden Wolfsbruch ab. Über die Größe und Tiefe des Waldgewässers mit Doppelnamen gibt es keine Angaben. Auf alten Karten und Messtischblättern ist zu ersehen, dass der Wolfssee etwa die gleiche Größe wie die große Hirschtränke östlich des Bayrischen Hauses hatte und rd. 600 m2 Wasserfläche umfasste. Im Jahre 1927 bezeichnete der "Potsdamer Wanderfreund" das sagenumwobene Waldgewässer als Priesterpfuhl. Die frühere Bezeichnung Wolfssee war wegen der Größe eher unzutreffend und geriet auch bei Zeitzeugen infolge der Verlandung in Vergessenheit. Auch auf neueren Messtischblättern und Stadtplänen ist der Wolfssee nicht mehr kartiert. Nach wie vor sind auf Plänen die historischen Hirschtränken als Bodensenken dargestellt, in denen jetzt zeitweise Wasser ansteht.

Im westlichen Wildpark beeinflussten der Bau der Kasernen und Bunker (ab 1936), das Schöpfwerk Wildpark-West (1929) und das Wasserwerk Wildpark (1939) den natürlichen Grundwasserspiegel nachteilig. Für die Regelung des oberflächlichen Wasserstandes im westlichen Wildpark einschließlich Entenfängersee und Ortsteil Wildpark-West ist das Schöpfwerk in der Nähe des Werderschen Dammes maßgebend. Das rekonstruierte Schöpfwerk hat eine Pumpleistung von 400 m3/h und arbeitet im Regelfall automatisch. Die einzuhaltenden Wasserstände im Einzugsgebiet der Geltower Galliner Havelwiesen und im Ortsteil Wildpark-West reguliert und bewirtschaftet der Schöpfwerksmeister des Wasser- und Bodenverbandes Nauen. Der Einschaltwasserspiegel am Schöpfwerk liegt bei 29,05 ÜNN. Der Wolfssee, die Hirschtränken und der Große Entenfängersee liegen im Einzugsgebiet des Geltower Hauptgrabens, der zum vorgenannten Schöpfwerk entwässert. Die früher ständige Absenkung des Wasserspiegels im westlichen Wildpark trug wesentlich zur starken Verlandung des Wolfssees bei. Auch beim Großen Entenfängersee ist in den letzten Jahren eine Absenkung des Wasserspiegels zu verzeichnen. Anthropogene Einflüsse haben in den letzten Jahrzehnten auch hier die Verlandung gefördert und damit zu einer Verkleinerung der Seefläche geführt. Zum Biotop und zum Verlandungsprozess des Entenfängersees, gelegen im Kreis Potsdam-Mittelmark, liegen dem Landesumweltamt wenige Untersuchungsergebnisse vor.

Im Jahr 2003 hat die untere Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam die zu schützenden Biotope im Wildpark beschrieben und kartiert. Auch der Standort des früheren Wolfssees wurde erfasst und als "temporäres Kleingewässer mit Gehölzsaum" charakterisiert. An diesem fast verlandeten Waldgewässer wachsen einzelne Röhrichte, Großseggenrieder, Steifsegge, Zwiebelbinde u. a.. Bülten überragen die kleine Wasseroberfläche. Amphibien sind nicht aufgeführt. Insgesamt wurden im westlichen Wildpark 15 verschiedene Biotope erfasst und kartiert. Zum kartierten Kleingewässer des Wolfssees hat die Naturschutzbehörde 2008 ein Gutachten erarbeiten lassen, das die örtlichen Verhältnisse gründlich analysiert und konkrete Maßnahmen zur Renaturierung dieses Biotops vorschlägt. Eine Entschlammung und Vertiefung des Wolfssees würde wieder Lebensräume für eine bodenständige Pflanzen- und Tierwelt erschließen, die es hier vorher gab. Wie beim renaturierten kleinen düsteren Teich, der gleichfalls zum Forstrevier Wildpark gehört, kann der zu entwickelnde Biotop die Lebensräume für örtliche Pflanzen und Tierarten nachhaltig verbessern und das Landschaftsbild beleben.

Seitens der Oberförsterei Potsdam ist die Wiederherstellung der Hauptallee des Wildparkes, der Große Hirschweg, und die Renaturierung des historisch bedeutenden Wolfssees geplant. Die Renaturierung dieses kleinen Waldsees erfordert nach Angaben des vorliegenden Gutachtens rd. 16.000 ha. Der Finanzierungsplan für das Jahr 2010 wird zurzeit vorbereitet, damit die Baudurchführung termingerecht erfolgen kann. Unterstützt wird dieses Projekt des Naturschutzes und der Landschaftspflege in dem von Peter Joseph Lenné gestalteten Wildpark durch den Wildpark e.V. und die Bürgerinitiative Forststraße Potsdam.

Adolf Kaschube, Potsdam

 

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