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Aus Potsdamer Neueste Nachrichten | 31.03.2004

Neue B-1-Trasse über den Zernsee bleibt ein Reizthema / Schneller Weg zur Autobahn als Alternative

Von Hagen Ludwig

Werder. Werder ist noch zweigeteilt, was die Pläne für eine neue B1 durch den Wildpark und quer über den Zernsee angeht. Das wurde am Montagabend auf einer von der CDU initiierten Bürgerversammlung zu Werders neuen Verkehrsverbindungen deutlich. In zwei Lager gespalten war der prall gefüllte Saal des „Hotels zur Insel“: Auf der einen Seite die Befürworter einer solchen neuen Straße, zu der sich unter bestimmten Bedingungen auch Bürgermeister Werner Große (CDU) bekannte, und auf der anderen Seite die betroffenen Einwohner und Gegner der vorgesehenen Trasse.

Deutlich wurde, dass das Thema B1neu für Werder noch lange nicht vom Tisch ist, auch nach der jüngsten Einigung der rot-grünen Bundestagskoalition, diesen Abschnitt der sogenannten Netzverknüpfung wieder in den weiteren Bedarf zu rücken, also vor 2015 auf keinen Fall mehr mit der Planung zu beginnen (PNN berichteten). Bürgermeister Große wollte über diese Brücke noch nicht gehen. Von der jüngsten Übereinkunft der rot-grünen Abgeordneten habe er bisher nur aus der Zeitung erfahren. „Wir müssen erst einmal abwarten, wie sich die Lage nach der Landtagswahl darstellt“, mahnte Große vor zu schnellen Schlüssen. Für ihn steht fest: „Werder braucht eine Entlastung für die bisherige Bundesstraße 1 über die Strengbrücke.“

Deshalb habe die Stadtverwaltung in einer ersten Stellungnahme zum Verkehrsentwicklungsplan des Landkreises den Bau der B1neu befürwortet – unter der Bedingung, dass die Straße zweistreifig bleibt und von umfangreichen Lärmschutzmaßnahmen flankiert wird. Allerdings sieht er auch eine zweite möglichen Variante zur Entlastung der B1: „Die Leute würden die Autobahn als schnelle Alternative häufiger nutzen, wenn sie diese schneller erreichen könnten.“ Notwendig wären laut Große in diesem Fall als erster Schritt der Ausbau der L 90 in Richtung Autobahn und vor allem eine Eisenbahnunterführung an der Phöbener Chaussee. Auch die Bundestagsabgeordneten von SPD und Bündnisgrünen gehen in ihren aktuellen Überlegungen davon aus, die Autobahn durch acht- bzw. sechsstreifigen Ausbau als de-facto-Ortsumgehung von Potsdam zu stärken und damit die Netzverknüpfung verzichtbar zu machen.

Verständnis äußerte Große für die Proteste von Werderanern, die unmittelbar an der für die B1neu vorgesehenen Trasse wohnen. Besonders schlimm würde es Fritz Rietz mit seiner Bootswerft direkt an der Zernsee-Eisenbahnbrücke treffen. Dort soll die neue Straße parallel zur Bahn in luftiger Höhe über sein Grundstück hinweg führen. Für den alteingesessenen Werderaner gibt es keinerlei Begründung dafür, „ein solches teures Mordsteil mit drei Brückenbauwerken quer durch die Natur zu bauen“. Letztlich ziehe die neue Straße vor allem auch den Lkw-Verkehr von der Autobahn nach Werder. Deren Lärm werde über den See unmittelbar bis zur historischen Insel getragen.Für Rietz besonders bitter: 15 Jahre konnte er in seine Werft nicht investieren, weil er ein Restitutionsverfahren abwarten musste. Jetzt werde er womöglich durch die Straßenneubaupläne weitere 15 Jahre blockiert. „Insgesamt 30 Jahre – das ist zuviel für ein Menschenleben“, erklärte Rietz nachdenklich. Zusammengeschlossen haben sich die Netzverknüpfungsgegner der Stadt in der Initiative „Werder blüht was“ (PNN berichteten). Deren Vertreter Gunnar Assmann plädierte dafür, auf die gesamte Netzverknüpfung von der A10 bis zur Nutheschnellstraße zu verzichten. Auch die Spange über den Templiner See allein würde über die vorhandene B 1 wesentlich mehr Verkehr in die Stadt Werder bringen, warnte er. Der in Werder wohnende Landesvorsitzende der Bündnisgrünen, Joachim Gessinger, forderte dazu auf, schnellstens in einen Verkehrsplanungsprozess einzutreten, an dem die Werderaner Einwohner umfassend beteiligt werden.Die 1. Beigeordnete des Landratsamtes, Ilsemarie Schulz (CDU), kündigte an, dass nun auch in anderen Orten Bürgerversammlungen zum Verkehrsentwicklungsplan von Potsdam-Mittelmark stattfinden sollen. Wenig glücklich war indes ihr Beispiel, mit dem sie die Notwendigkeit der Templiner Spange begründen wollte. Künftig müsste ein Neuseddiner, der nach Groß Kreutz will, dann nicht mehr durch die Potsdamer Innenstadt fahren, argumentierte Schulz. Gerade diese beiden Orten sind aber schon heute optimal durch die Autobahn verbunden.Die Werderaner SPD meldete sich auf der von Joachim Hinze moderierten Veranstaltung nicht zu Wort, verschickte jedoch zeitgleich gemeinsam mit dem SPD-Ortsverein Schwielowsee eine Presseerklärung, in der sie sich dafür aussprach, die gesamte Netzverknüpfung einschließlich der Havelspange über den Templiner See aus dem Bundesverkehrswegeplan zu nehmen. Einen entsprechenden Beschluss habe jetzt auch der SPD-Kreisverband mit deutlicher Mehrheit gefasst, so Werders SPD-Chefin Jutta-Bous-Wein (PNN berichteten).

Auf der Bürgerversammlung im „Hotel zur Insel“ gab es schließlich zumindest in einem Punkt Konsens. Mit der Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Einführung des Halbstundentakts für den Regionalexpress nach Potsdam und Berlin habe man bereits einen wichtigen Teilschritt zur Lösung der Verkehrsprobleme getan, betonte Burkhard Mühr (CDU). Dafür gab es Beifall von allen Seiten.

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