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Auszeichnung vor allem für die Anderen PDF Drucken E-Mail

Aus Potsdamer Neueste Nachrichten | 07.04.2004

Landtagspräsident Knoblich zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und seinem Eintrag ins Goldene Buch von Schwielowsee

Landtagspräsident Herbert Knoblich (SPD) wurde kürzlich das „Große Verdienstkreuz mit Stern“ verliehen. Heute trägt sich der Caputher in das Goldene Buch der Gemeinde Schwielowsee ein. Entscheidend für das Bundeverdienstkreuz war Knoblichs ehrenamtliches Engagement. Seine Ehrenämter füllen eine ganze Computerdatei. So ist er seit Jahren Präsident der Europäischen Bewegung Brandenburg und Vorsitzender der Europäischen Staatsbürger-Akademie (ESTA). Nicht zuletzt geht die Gründung des zur ESTA Brandenburg gehörenden Europäischen Instituts für grenzüberschreitende Kriminalitätsbekämpfung (EIKK) auf Knoblichs Initiative zurück. Als Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat er sich vor allem bei den Arbeiten engagiert, die auf den ehemaligen großen Schlachtfeldern in Halbe und Seelow noch geleistet werden müssen. PNN-Redakteur Henry Klix unterhielt sich mit dem ehemaligen Physiker über ein weiteres Ehrenamt: Er ist seit über einem Jahr Gemeindevertreter für seinen Heimatort.

Bundesverdienstkreuz oder Eintrag ins Goldene Buch von Schwielowsee – was von beidem ist Ihnen wichtiger?

Das kann man nicht voneinander trennen. Auf der Urkunde für das Bundesverdienstkreuz steht die Gemeinde Schwielowsee als Wohnort. Es ist also legitim, dass die Gemeinde etwas vom Glanz des Lichtes, das vom Bundespräsidialamt ausgeht, für sich in Anspruch nimmt. So verstehe ich auch den Eintrag ins Goldene Buch. Ich hielt es immer für die Pflicht eines Parlamentspräsidenten, sich nicht nur um die Abläufe im Parlament und der Landtagsverwaltung zu kümmern. Für mich war auch keine Stunde am Tag ausgeklammert, wenn es darum ging, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Die Summe der Leistungen anderer ist aber ungleich größer als meine. Deshalb hatte mich das Bundesverdienstkreuz schon überrascht. Dies ist in meinen Augen eine Auszeichnung vor allem für diese Anderen.

Sie wurden mit dem Bundesverdienstkreuz für Ihre zahlreichen Ehrenämter ausgezeichnet. In der Begründung für die Verleihung wird aber auch hervorgehoben, dass Sie den Landtag als ein offenes Haus der Demokratie im Land etablieren konnten.

Nein, das Bundesverdienstkreuz wird ausschließlich für ehrenamtliche Tätigkeiten vergeben. Für das, was ich als Fulltime-Job mache, gibt es keinen Orden.

Zu einem Ihrer Ehrenämter gehört auch das Mandat in der Gemeindevertretung Schwielowsee. Hat sich etwas an Ihrer Arbeit im Landtag geändert, seit Sie vor über einem Jahr Ihr Mandat angenommen haben?

Im vierzehnten Jahr macht man vieles hier im Landtag aus dem Effeff. Als Präsident habe ich mich aus den politischen Debatten zudem weitgehend herauszuhalten. Was mich mit dieser Wahl völlig neu erreicht hat, sind die enorm hohen Anforderungen an dieses Ehrenamt. Am Abend nach der Arbeit noch in allen rechtlichen, gesellschaftlichen und politischen Belangen auf der Höhe zu sein, ist nicht jedermanns Sache.

Aber Sie können doch sicher aus Ihrer 14-jährigen Berufserfahrung schöpfen. Und als Landtagspräsident sind Sie ja auch Chef der Landtagsverwaltung mit 110 Beschäftigten.

Ja, aber ich bin schon manchmal erstaunt, wie viel Gutgläubigkeit in Schwielowsee im Spiel ist und wie oft Korrekturen von Beschlüssen notwendig sind, wie zum Beispiel beim Streit um die Linden an der Straße der Einheit.

Sie sind in der Gemeindevertretung mit der SPD in der „Opposition“, stärkste Fraktion sind das Bürgerbündnis und die CDU/FDP. Welche Rolle spielen Parteien auf Gemeindeebene?

Ich habe noch nie mein Heil in Parteien gesucht, auch auf Landesebene nicht. Aus dem, was 1990 erforderlich war, verband sich für mich das Angebot, mit meinen Erfahrungen zur Lösung von Problemen beizutragen. So bin ich auch nach Schwielowsee gegangen. Es ist doch völlig unerheblich, aus welcher politischen Ecke ein Argument kommt, wenn es der Sache dienlich ist. Es wundert mich besonders, wenn Leute in der Vorstellung leben, auf Gemeindeebene müsse große Politik gemacht werden. Aber auch beim Bürger gibt es Missverständnisse. Nicht alles ist Parteipolitik, was als solche verstanden wird. Wir sind auf der einen Seite alle bemüht, Gewerbe anzusiedeln, wollen aber auf der anderen Seite nichts mit den Begleiterscheinungen zu tun haben. Ich habe das vor kurzem bei einer Diskussion zur Potsdamer Dachdeckerfirma Blank erlebt. Ein Anwohner hat verhindert, dass sie in die Weinbergstraße nach Caputh zieht, weil angeblich zu viel Radau entstehen würde. Und das in einer Straße, die als Mischgebiet für Gewerbe und Wohnen ausgewiesen ist!

Solche destruktiven Diskussionen gibt es mitunter in Gemeindevertretungen, bei Bürgern aber auch auf Bundes- und Landesebene, wie das Beispiel Netzverknüpfung Potsdam zeigt.

Da hat sich die SPD in Schwielowsee mit meiner vollen Unterstützung deutlich zu Wort gemeldet. Ich frage mich, was mit der Netzverknüpfung für ein Verkehr aufgefangen werden soll, der an anderer Stelle keinen Platz mehr hätte. Wenn ich mit einer teuren Straßenführung aber neuen Verkehr erzeuge, wird das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt. Es gab am Schwielowsee den Wahlkampfslogan, „Leben, wo andere Urlaub machen“. Die touristischen und landschaftlichen Potenziale dieser Region für eine Straße kaputt zu machen, ist aberwitzig. Und was für die Netzverknüpfung gilt, gilt auch für die Templiner Spange.

Es gibt in der jüngsten Zeit eine Diskussion über die Gemeindefinanzierung. Große Hoffnungen werden auf das Finanzausgleichsgesetz gesetzt, das ja noch vor der Sommerpause verabschiedet werden soll. Was bewegt sie, der sie auf beiden Ebenen tätig sind, bei einer solchen Debatte?

Die Gemeindefinanzierung war seit langem reformbedürftig, besonders was das Missverhältnis zwischen Pflichtaufgaben und Finanzierung der kreisfreien Städte anbetrifft. Aber niemand soll sich Illusionen machen: Das neue Gesetz generiert keine neuen Finanzen, es kann nur Ungerechtigkeiten reduzieren. Die Umverteilung vom Land auf die Kommunen bedeutet aber auch eine Stärkung ihrer Selbstverwaltung. Ich und andere werden allerdings keinen Einfluss nehmen können, dass unsere eigene Kommune besonderen Vorteil nimmt.

Sie hatten angekündigt, dass dies Ihre letzte Legislaturperiode im Landtag ist. Werden Sie sich ab Herbst dann auch noch stärker in das kommunalpolitische Geschehen stürzen?

Ich möchte gern entscheiden, wann Schluss ist. Diese 14 Jahre haben Substanz gekostet. Man muss acht geben, dass man nicht selbst zuschanden geht. Deshalb werde ich darauf achten, die Arbeit auch auf kommunalpolitischer Ebene nicht überzustrapazieren. Meine Ausgangsposition vor der Wahl war ja eine andere. Meine Vorgänger in der Gemeindevertretung sagten: Komm mal zu uns, wir sind dort in guten Schuhen. Das ich am Ende der einzige Caputher mit SPD-Mitgliedsbuch in der Gemeindevertretung bin, hatte ich nicht erwartet.

Was verbindet Sie über die Landschaft, die Kommunalpolitik und Ihre Lebenspartnerin Oda Schielicke hinaus mit Caputh?

Da hat es mal Anfang der 30er Jahre jemanden gegeben, der mich auch schon beruflich beschäftigt hat. Ich würde zu gern insbesondere jungen Leuten mal ein wenig Einblick geben in das, was Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie gemeint und geschaffen hat. Das wird etwas sein, worum ich mich nach meinem Ausscheiden aus dem Landtag kümmern will, auch in Caputh.

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