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Aus Potsdamer Neueste Nachrichten | 25.03.2004

Mit der abgespeckten Netzverknüpfung wird der Widerstand nicht enden: Die Schlösserstiftung und die Bahnakademie haben Bedenken gegen die Havelspange angemeldet. Und die Unesco prüft mal wieder

Von Henry Klix

Potsdam/ Potsdam-Mittelmark. Selbst wenn die Proteste gegen die Netzverknüpfung erste Erfolge zeigen: Der Widerstand wird auch mit dem alleinigen Bau einer Havelspange über den Templiner See nicht abklingen. Das Unesco-Welterbezentrum in Paris hat ein offizielles Prüfverfahren gegen die Verkehrspolitik der Stadt Potsdam eingeleitet, sagte Prof. Albrecht Söllner von der Initiative „Bürger für Verkehrsberuhigung in Potsdam West“ gestern auf einer Pressekonferenz. Gegenstand der Prüfung sei, ob durch die Havelspange das Welterbe in Mitleidenschaft gezogen wird. Söllners Bürgerinitiative hat die Unesco auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Söllner: „Eigentlich wäre das Sache der Stadt Potsdam gewesen.“ Er fürchtet, dass sich das Verkehrsaufkommen im Bereich des Weltkulturerbes (Neues Palais, Lindenallee) und in den angrenzenden, teilweise denkmalgeschützten Wohngebieten in der Forst- und der Amundsenstraße verdoppeln werde.

Auch die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten zeigt sich besorgt. Generaldirektor Prof. Hartmut Dogerloh erklärte in einem Brief an Söllner, dass die Straße Am Neuen Palais mit dem momentanen Verkehrsaufkommen weitgehend ausgelastet ist und für eine Verdopplung der Verkehrsbelastung keine Kapazität vorhanden ist. „Bereits zum heutigen Zeitpunkt stellt die Straße Am Neuen Palais zusammen mit der Nachkriegsbebauung für die Hochschule eine Beeinträchtigung des Parks Sanssouci dar“, so Dogerloh in dem Schreiben.

Die Verkehrsverdopplung wird durch Aussagen aus der Potsdamer Stadtverwaltung bestätigt. In einer Mitteilung des Bereichs Verkehrsentwicklung vom vorigen Jahr an die Potsdamer Initiative heißt es, dass die Straßenbelastung mit der Templiner Spange von jetzt etwa 5000 bis 8000 Fahrzeugen auf 10- bis 13000 wachsen würde und deshalb ein Ausbau auf Bundesstraßen-Standard angestrebt werde. Zwar widersprach dem Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im Januar, nachdem bekannt wurde, dass eine Weiterführung der Netzverknüpfung bis zur A10 in Phöben vorgesehen ist. Doch nach der geänderten Lage ist wohl zu fürchten, dass der Ausbau-Gedanke auflebt.

Auch die „Deutsche Bahn Akademie“, die derzeit den Kaiserbahnhof mit Millionenaufwand als neuen Bildungsstandort für ihre Führungskräfte ausbaut, fürchtet Ungemach: Geschäftsführer Burkhard Klanke betonte in einem Schreiben an Potsdams Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz, dass gerade die ruhige Lage in der Gartenlandschaft von Sanssouci entscheidend für die Standortwahl gewesen sei. „Die jetzige Umgebung des Kaiserbahnhofs soll nach unseren Wünschen genau das ermöglichen, was Führungskräften häufig fehlt, nämlich die Erweiterung des persönlichen Horizonts und die mentale Pause im Tagesgeschäft.“

Die Argumente gegen die anderen Teilstücke der Netzverknüpfung (B1 zur A10 in Phöben, B2 zur Nuthestraße/ Wetzlarer Straße) werden indes nicht an Brisanz verlieren – der Bau ist verschoben, aber nicht vom Tisch. Der Geltower Wildpark e.V., die Bürgerinitiativen „Werder blüht was“, „Bürger für Bergholz-Rehbrücke“ und der Milan e.V. Michendorf werden einen langen Atem beweisen müssen, der nächste Bundesverkehrswegeplan ist erst in fünf Jahren zu erwarten. Zur selben Zeit, als im Verkehrsausschuss des Bundestages die Karten für die Netzverknüpfung neu gelegt wurden, luden die Initiativen gestern Nachmittag gemeinsam mit Albrecht Söllner zu einer Pressekonferenz ein.

Der an vielen Zahlen und Fakten dargestellte Verdacht, es gebe keinen Bedarf für die Netzverknüpfung und die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, gilt auch für die Templiner Spange. Mit der Verkehrsentlastung von sechs Prozent in Potsdam sei der Schaden an Natur, Kulturlandschaft, touristischer Infrastruktur und Lebensqualität im Potsdamer Umland keineswegs zu rechtfertigen. Da nutze es auch nichts, die Umgehung mit falschen Zahlen und getricksten Analysen schönzurechnen, so Rainer vom Lehn von der Nuthetaler Initiative.

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